Kuba individuell bereisen bedeutet den Inselstaat in der Karibik anders erfahren, als auf den Postkarten. Endlose weiße Strände, Kokospalmen, türkisblaues Meer, Delfine, Cuba Libre, Che Guevara und Fidel Castro, Havanna-Zigarren, tanzende Menschen, prächtige Farben und top gepflegte 50er-Jahre-Autos, all das ist präsent. Es ist schwierig, Kuba zu beschreiben, ohne politische Referenzen zu streifen. Dennoch möchte ich versuchen, mit dir hier meine Erfahrungen meiner Reise zu teilen und hoffe auf dein Weltverständnis, um bestimmte Zusammenhänge einzuordnen. Auch wenn zwischenzeitlich ein anderer Eindruck entstehen könnte, ich mag Kuba, ich mag die Leute, habe gelernt, sie zu verstehen und kann ihre Probleme nachvollziehen.

Individuell, vertraut und doch ganz anders, eben kubanisch

Für diese Reise hatte ich kein Hotel gebucht, sondern mit Lissy, einer Bekannten, vereinbart, dass ich bei ihr und ihrem Freund in deren Wohnung in „El Cotorro“, zirka 20 km vor Havanna, bleiben kann. Zwei Wochen im Juni 2016 in Kuba oder „Cuba“, wie es dort geschrieben wird, hautnah, authentisch, ungeschminkt. Als ich hörte, dass ein Mietwagen ca. 100€ pro Tag kostet, schlug ich vor, dass sie einfach ein kleines, altes Auto für 500€ kaufen möge, was sie dann behalten könnte. Bevor ich ausreden konnte, lachte sie mich aus und ich verstand nichts. Erst später wurde mir klar, dass ein Auto, klein und alt immer noch zehnmal so viel kostet, wie ein Wohnhaus. Dazu später mehr.

Generell ist die größte Karibikinsel ein sehr angenehmes Reiseland, wenn man ein paar Kleinigkeiten kennt und beachtet. Gewaltkriminalität gibt es praktisch keine, Versuche, gutgläubigen Touristen ein paar Dollar aus der Tasche zu ziehen, allerdings schon. (Vorsicht beim Tanken! Immer, am besten zu zweit sofort aussteigen und die Räder im Auge behalten. Nie jemanden da heran lassen! Sonst ist schnell mal ein Nagel drin, auf den dann mit großer Hilfsbereitschaft hingewiesen wird und den der Reifentyp nebenan gleich zum Vorzugspreis wieder repariert.)

Kuba und seine zwei Gelder

Mit dem Geld ist das eh so eine Sache. Es gibt zwei Parallelwährungen, den Kubanischen Peso (CUP) und den konvertierbaren kubanischen Peso (CUC), dessen Wert exakt einem US-Dollar entspricht, die beide ganz offiziell, aber für verschiedene Waren und Dienstleistungen akzeptiert werden. Der Umtauschkurs ist staatlich festgelegt auf 1:25. Daher führt das zu für uns kuriosen Preisgefügen. Somit kosten ein Brötchen oder eine einstündige Busfahrt unter 5 Cent, eine Dose Bier im Supermarkt aber 1 US-Dollar. Bei einem Einkommen von monatlich 16 bis 25 US-Dollar war es also nicht verwunderlich, dass Lissys Schwiegereltern eine Dose Bier, der zehn, die ich am Nachmittag unterwegs im Supermarkt gekauft hatte, in der Familie herum reichten. Mir war die Situation sehr befremdlich, bis mir Lissy das Thema Gehalt erklärt hatte. Dieses äußerst geringe Monatseinkommen bedingt eine ständige Aufmerksamkeit, ob nicht irgendwo irgendetwas zu holen, zu tricksen oder zu „besorgen“ sei.

Besser Fallen vermeiden!

Wie häufig im Nicht-Euro-Ausland ist die Beschaffung von lokalem Bargeld erforderlich, denn ein paar Pesos sollte man hier schon dabei haben. Wenn schon das Abheben an sich kein Problem ist, weil überall Geldautomaten stehen, lauert die Falle eher unsichtbar. Umtauschkurs und versteckte Gebühren können erheblich weh tun. Gut, wenn du eine Kreditkarte dabei hast, die keine Gebühren für das Abheben von Bargeld berechnet und den Google-Kurs für den Umtausch ohne Gebühren zu Grunde legt. Falls du noch keine hast, hier ist eine Empfehlung für eine komplett kostenlose Mastercard Gold*, die das sicherstellt.

Einkaufen auf kubanisch: ir de compras

Es gibt eine gewisse, nicht ausreichende, Menge an Nahrungsmitteln, wie Reis, Eiern, Brot auf's Familienbuch, wo also pro Kopf pro Monat eine bestimmte Menge in einer landwirtschaftlichen Verkaufsstelle zu Sonderpreisen ausgegeben wird. Deshalb müssen die Waren des täglichen Bedarfs dann in kleinen Lädchen dazu gekauft werden. Da gibt es einiges, aber längst nicht alles und natürlich auch keine internationalen Marken. Also statt Coca Cola gibt es heimische. Den Rest der Woche gab es allerdings keine mehr. Aber immerhin ein anderes süßes Verdünnungsmittel für den Havanna Club, der übrigens auch ein halbes Monatsgehalt eines Durchschnittskubaners kostet.

Um Diebstahl vorzubeugen, wird aus guter Erfahrung in die Geschäfte nur immer eine geringe Anzahl Personen hineingelassen. Ich wollte schon böse werden, als eine Frau an der Schlange vorbei ging und die Tür öffnete, aber sie rief nur „Kaffee?“ hinein und sparte sich nach dem Kopfschütteln einer der Verkäuferinnen das Anstehen. Das passierte noch ein paar Mal. Der Kaffee ist aber nicht etwa Kaffee, sondern 50% gemahlener Kaffee und 50% geröstete und gemahlene Hülsenfrüchte, wie Lissy mir erklärte und wie man auch schmeckt.

Ja, in Kuba isst man trotzdem!

Restaurantbesuche sind für normale Kubaner unerschwinglich. Praktisch die gesamte Gastronomie ist ausschließlich für den Tourismus da. Wir waren ein paar Mal essen und sehr gute Erfahrungen haben wir in Havanna im „Siá Kará“, in der Nähe des Capitols und in der „FAC, Fábrica de Arte Cubano“ (Fabrik der kubanischen Kunst), die in einem alten Fabrikgebäude sowohl Kunstausstellungen, Bars, Restaurant und Diskothek vereint.

Zuhause wird in Kuba typisch karibisch gegessen: Reis, frittierte Bananenchips, viel Hühnchen, weil günstig, Fisch, Schwein und selten, in bestimmten, staatlich autorisierten Restaurants, Rind. Die Rinder gehören alle dem Staat, bzw. werden von diesem kontrolliert und protokolliert. Auch wenn es möglich ist, ein Schwein zu Hause in einem Verschlag im Garten zu halten und heran zu füttern, wie auch Hühner oder Enten, um diese dann eines Tages zu schlachten und zu verzehren, ist es undenkbar, ein Kälbchen zu halten und groß zu ziehen. Wer privat ein Rind hat (es gibt immer wieder Versuche, weil das Fleisch halt teuer gehandelt wird), der ist ein Verräter und wandert ins Gefängnis.

So viel Schönheit und mir blutet das Herz.

Man spürt in Kuba, und besonders bei einem Rundgang durch Havanna*, noch deutlich den ehemaligen Reichtum des Landes. Doch mittlerweile sind selbst die Es-lebe-die-Revolution-Schilder verfallen, verrostet und die Farbfetzen hängen in großen Stücken herab. Kuba ist ein Land der Fassade. Alles bröselt, fast nichts ist echt, außer der Herzlichkeit der Menschen, wenn sie denn einmal Vertrauen gefasst haben.

Der weiße Traumstrand ist voller Müll, die wunderschönen klassizistischen Gebäude in Havanna sind notdürftig mit Brettern zusammengeflickte Fassaden, die von weitem und  auf Postkarten fantastisch aussehen, aber keiner näheren Betrachtung stand halten. Wenn ein Haus einstürzt, was ständig geschieht, werden die toten Bewohner totgeschwiegen, der Schuttberg abtransportiert und es wird eine Grünfläche angelegt. Folglich findet man in jeder Straße diese Mini-Parks, die harmlos scheinen, aber letztlich das schauerliche Ende eines traurigen Kapitels sind. Warum das so ist? Weil die staatliche Planwirtschaft es den Eigentümern und Mietern unmöglich macht, einen Eimer Farbe, einen Sack Zement oder ein Stück Eisen zu bekommen. Nein, das kann man eben nicht beim Baumarkt oder Baustoffhändler individuell um die Ecke kaufen.

Umweltbewusstsein – Was ist das?

Die Situation Kubas ist durch das nach den großen Enteignungen im Zuge der Revolution 1959 verhängte Handelsembargo der USA nicht leicht und der Mangel überall zu spüren. Die Traumstrände sind weiß, das ist wahr, aber man muss schon gut aufpassen, dass man nicht in Glasscherben tritt, denn die sind allgegenwärtig. Obwohl das Kultur- und Bildungsniveau noch immer mit Abstand das beste von ganz Lateinamerika ist sieht man diese Sauerei. Es hat mich ehrlich gesagt verwundert, dass in dem nach wie vor sozialistischen Land kein Umweltbewusstsein vorherrscht. Überall liegt Müll herum und am berühmten „Malecón“, Havannas großer Straße direkt am Meer schwimmen zwischen den alten (natürlich auch verfallenen) Lagerschuppen ganze Teppiche alter Ölflaschen und öligen Mülls im Meer.

Schmuckstücke auf Rädern – oder doch nicht?

Die berühmten, tollen Autos, die auf keinem Havanna-Foto fehlen, sind zu 99% Taxis für die Touristen und sogenannte Routentaxis, die ähnlich einem Bus, eine bestimmte Strecke bedienen und so viele Passagiere aufnehmen, bis keiner mehr hineinpasst. Und ja, es sind die originalen, alten, amerikanischen Chevys, Buicks und Chrysler aus den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Warum? Weil es keine neuen Autos gibt! Ein neuer Peugeot der kleineren Sorte kostet ca. 85.000€, was ca. 322 Jahren normaler Arbeit entspricht. Andererseits wäre er auch nur dann erhältlich, wenn einen denn das Glück der staatlichen Zuteilung trifft. Gebrauchtwagen gibt es praktisch keine, und wenn, dann kostet eine kleine Rostlaube das Zehnfache eines Hauses.

Zurück zu den Chevys. Wie fast alles in Cuba sind auch diese mehr Fassade, als echt. Seit langem schon werkelt unter der Haube ein Toyota-Motor, wenn der Eigentümer denn Glück hatte, dass ihm die staatliche Zuteilung nach jahrelanger Wartezeit einen neuen Motor bewilligt hat. Das Leder der Sitze ist hundertfach geflickt, die Scheiben durch zurechtgefeiltes Fensterglas ersetzt, der Anlasser von einem alten Traktor eingepasst. Kurz gesagt: alles ist mit echtem Erfindergeist irgendwie zusammengetüdelt und heilgebastelt.

Unerwartete Folgen des Mangels

Der chronische Ersatzteilmangel erklärte dann auch die ewig lange Wartezeit am Flughafen. Ja, plant bitte mindestens zwei Stunden ein, bis ihr das Flughafengebäude verlassen könnt. Dort wird zunächst das Gepäck auf verbotene Waren, zu verzollende Waren und was weiß ich untersucht und entsprechend zur persönlichen Nachkontrolle gekennzeichnet. Obwohl wir zwei identisch gepackte 23 kg-Koffer mit Reis, Nudeln, Thunfisch, Schokolade, Zahnpasta, Zahnbürsten, anderen Hygieneartikeln, Kaffee, usw. dabei hatten, wurden wir überrascht. Ohnehin hatten wir nichts Verbotenes im Gepäck, also keine Autoersatzteile, kein Porno und keine technischen Geräte. Trotzdem ging nur ein Koffer so durch, der andere wurde gestoppt. Glücklicherweise waren es für mich zwei junge Beamtinnen und ich konnte den Zwischenfall „wegflirten“ und sie überzeugen, dass alles gut sei, was es ja auch war.

Etwas umständlich, aber auch Internet in Kuba geht irgendwie.

Ein Festnetztelefon in Kuba zuhause zu haben, ist absoluter Luxus, Handy noch mehr. Internet daheim gibt es gar nicht. Dafür gibt es in dem Dorf, in dem wir wohnen, auf dem Schulvorplatz eine W-Lan-Verbindung als einzige Möglichkeit, mit der die Kubaner mit ihren Familien in Miami kommunizieren können. Um diese nutzen zu können, muss man Zeitgutscheine mit einem frei zu rubbelnden Zugangscode kaufen. Die wenigen Minuten sind aber ratz-fatz weg. Also wird ein einfacher WhatsApp-Chat zu einem ewigen An-und-Ausschalten des Internet. Empfangen, ausschalten, lesen, antworten, anschalten, senden, ausschalten. Und das die ganze Zeit, mit Mails, Chats und Nachrichten. Folglich ist die Kommunikation schon etwas umständlich, aber nach einer Weile und etlichen verprassten Rubbelnummern habe sogar ich das gelernt.

Ganz für dich allein oder unter Menschen

Wie überall in der Karibik ist tatsächlich die Natur das, was alles andere vergessen lässt. Üppige Vegetation, exotische Blumen und Tiere, Palmen, Strände und angenehm warme Temperaturen, auch nachts. Folglich waren wir außer in der Hauptstadt auch viel im Umland unterwegs, haben zuckersüße Mangos von den Bäumen gegessen und im „Mirador del Cielo“ von „Soroa“ im Pool in den Bergen mit unglaublicher Aussicht gechillt und kreisenden Adlern zugesehen und romantisch fernab von jeder Menschenseele im Wasserfall „Salto de Soroa“ gebadet. Wer Menschengewusel mag, der kann gern die Markthalle „Mercado de San José“ besuchen. Immerhin gibt es hier nicht den Fernost-Einheitsbrei, also den immer gleichen Delfin, auf dem wahlweise ein Gran-Canaria-, Mallorca-, Acapulco-, oder Punta-Cana-Aufkleber pappt, sondern allerlei wirklich lokal in Kuba gefertigtes Kunstgewerbe, handgemachtes Holzspielzeug, Kuriositäten und die üblichen Souvenirs, wie z.B. die Che-Guevara-Mützen.

Offen durch die Kubas Hauptstadt

Die toll aussehenden, alten Autos stellen in der Tat eine Versuchung dar. Infolge der Unmengen an Geld (gemessen am Normaleinkommen), die diese Unternehmen einnehmen, sind die Fahrzeuge in der Regel top gepflegt. Und eine Rundfahrt in einem Cabrio* ist durchaus empfehlenswert. Bitte den Fahrer, dass er am Christoph-Kolumbus-Friedhof („Cementerio Cristóbal Colón“) halten möge. Ohne dass dir langweilig werden wird, kannst du hier sage und schreibe zwanzig Kilometer hin und her wandern. Auf mehr als einem halben Quadratkilometer klappte mir tatsächlich die Kinnlade herunter, weil die Grabstätten so unglaublich reich verzierte Marmorbauten sind, die ihresgleichen suchen. Wenn dir die Zeit reicht, dann mach auch gern eine Fahrradtour* durch die Stadt. Die gibt es geführt und man sieht doch deutlich mehr, als aus dem Autofenster, kommt aber schneller herum, als zu Fuß.

Die Erfahrung lehrt: Geduld bitte!

Da ich von klein auf ein Eisenbahnfan bin, wollte ich unbedingt auch einmal mit dem Zug nach Havanna fahren. Das geht nur zweimal die Woche und der Fahrplan dient auch nur so zur Orientierung. Demzufolge standen wir also mit reichlich Vorlaufzeit am sehr verlassen wirkenden Bahnhof und hatten auch genügend Geduld, einfach noch eine halbe Stunde nach programmierter Abfahrtszeit zu warten. Dann hätte ich aber schon gern noch eine Aktualisierung gehabt. Nach einiger Suche im Umkreis fand sich so auch eine Menschenseele, die uns erzählte, dass das Gleisbett wohl irgendwo kaputt sei, und schon seit fast drei Wochen kein Zug mehr gekommen sei. Na gut. So ist's halt.

Wer einmal in der Karibik war, weiß, dass die Menschen hier nicht am Herzinfarkt sterben. Zeit ist unendlich und irgendwie ist alles egal. Seit ich mich an diese Zwangsentschleunigung gewöhnt habe, ist mein Infarktrisiko auch nicht mehr präsent, aber die Anfangszeit ist hart, das kann ich dir sagen!

Kuba in Vorzeit und Endzeit

Wenn auf einmal um 21:00 Uhr ein gewaltiger Kanonendonner Havanna erschüttert, ist nicht etwa eine amerikanische Invasion Schuld, sondern eine tägliche Tradition, die auf das 17. Jahrhundert zurückgeht. Weil Havanna früher die Handelsdrehscheibe in der Karibik war, wurden hier die Schätze vor ihrem Transport nach Spanien vor Piraten sicher verwahrt. In der, bis zum siebenjährigen Krieg uneinnehmbaren, spanischen Festung auf dem „El Morro“, einem Felsen am Eingang der Hafenbucht, waren diese in Sicherheit. Die täglichen „Cañonazos“, also der Kanonendonner zeigte den Beginn der nächtlichen Ausgangssperre in Havanna an. Heute ist es ein absolut sehenswertes, tägliches Showspektakel mit historischen Militäruniformen und Zeremonien. Komm rechtzeitig, denn man muss vom Hafen aus mit der Fähre zum El Morro kreuzen und dann noch zum Castillo laufen. Vor Ort kauf dir ein paar Bier und genieß die fantastische Aussicht und die Show.

Beklemmendes Vergnügen

Eine spannende Geschichte war auch noch unser Besuch im Freizeitpark „Parque Lenin“. Ein Freizeitpark mit verschiedenen Fahrgeschäften, Eintritt gratis und fast alles ist geschlossen, weil verfallen. Nur der Aussichtsturm, der Autoscooter und das dem Café vorgelagerte obligatorische Revolutionsmuseum waren in der weitläufigen Anlage geöffnet. Überall stehen Lautsprechersäulen, die aller 15 Minuten ein von einem Startjingle eingeläuteten Werbespruch, wie toll der sozialistische Park sei, vom Band abspielen. Somit hat das beklemmende Ambiente aus geschlossenen, halbverrotteten Attraktionen, der herabgebröselten Farbe und der Totenstille im menschenleeren Freizeitpark irgendwie einen gruseligen, postapokalyptischen Touch.

Aber warum ist der Park in so einem Zustand? Der Lenin-Park wurde 1972 als kubanisch-chinesisches Joint Venture feierlich eingeweiht. Da er nur ca. 20 Kilometer südlich von Havanna gelegen ist, war er bis 1990 beliebtes Ausflugsziel für die Hauptstädter. Man erzählt, dass immer wieder teure Ersatzteile und Material abhanden kamen. Doch als dann irgendwie auch noch das Konto „verschwand“, auf das die Chinesen das Geld für die Instandhaltung deponiert hatten, hatten die fernöstlichen Partner keine Lust mehr und gaben den Park auf. Und so steht er da noch heute, fast 30 Jahre später. Nur der Rasen wird von Zeit zu Zeit gemäht und die Lautsprechersäulen erschrecken die drei Endzeitbesucher im LOST-Style.

Das Beste zum Schluss.

Überdies hat Kuba neben der üppigen Natur noch etwas ganz Besonderes zu bieten, seine Menschen. Wie schon erwähnt, mit einem Bildungsniveau, welches durchaus an das von uns gewohnte heran reicht, durch drastischste Strafen praktisch ohne Gewaltkriminalität und mit sonnigem Gemüt, erträgt der Kubaner sein Leben in der relativen Armut nicht nur, nein, er zelebriert es. Das Lachen und die Umarmungen sind echt und wenn man sie nicht bremsen würde, würden sie ihr letztes Huhn schlachten, weil man das Treffen feiern muss.

Demzufolge haben wir in großer Runde Domino gespielt, Rum getrunken, ein ganzes Schweinebein in einem aus Schrott mit Liebe zusammengebauten Grill mit Motorantrieb gegrillt. Weiterhin haben wir (irgendwoher besorgte) Kaffeebohnen getrocknet, geröstet, gemahlen und getrunken. Lissys Schwieger-Opa hat mir einen herzzerreißenden Brief überreicht und ich weiß, dass mir diese Türen jederzeit offen stehen. Die kleinste Zelle dieser Gesellschaft ist in Ordnung. Trotzdem dürfen die Kubaner draußen oder vor Fremden und Nachbarn ihre ehrliche Meinung nicht sagen. Das ist denn doch zu gefährlich. Wie es ihnen geht? Im Prinzip glücklich, aber sie können sich nicht beschweren.

Fazit

Abschließend lässt sich zusammenfassen: Wer nur Palmen und Meer möchte, der kann ein x-beliebiges All-Inclusive-Resort in Kuba, Mexiko, der Dominikanischen Republik oder sonstwo buchen. Bis auf die Wimpel auf den Abenbrotbuffets, die dann die jeweiligen Landesfarben tragen, ist das Erlebnis identisch. Wenn du wirklich den Geist von Kuba erleben willst, dann tu's nicht!

Mittlerweile gibt es Ausnahmeregelungen für eine Hand voll Firmen, denen von der Kubanischen Regierung die Einfuhr von Waren und Devisen erlaubt wurde. Infolgedessen wurden jüngst erste Gebäude in Havanna aufwändig restauriert. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass dieser Trend anhält, solange es noch Substanz zum Retten gibt. Wenn die von mir erlebte und empfohlene Privat-Lösung für dich nicht in Frage kommt, dann gibt es auch Hotels in Havanna*, die du individuell buchen kannst. Sicherheit ist kein Problem, eine gewisse Aufmerksamkeit und Grundentspanntheit allerdings empfehlenswert. Wenn du jemandem dort eine Freude machen möchtest, bring Kaffee, Schokolade und (getragene) Kleidung mit. Auch ein Set Trinkgläser oder einfach Glitzi-Schwämme. Die können wirklich alles gebrauchen.

Landessprache ist spanisch und man spricht teilweise auch englisch und russisch.

Ab Frankfurt fliegt man direkt in ca. 10,5 Stunden bis Havanna.

Die Zeitzone ist UTC-5, also bei uns 15:00 Uhr ist dort 10:00 Uhr.

Meine Top 5 für Kubas Hauptstadt Havanna sind

  1. FAC, Fábrica de Arte Cubano
  2. e-bike Fahrradtour durch Havanna*
  3. Cañonazos im Castillo de los Reyes del Morro
  4. Markthalle Mercado de San José
  5. Friedhof Cementerio Cristóbal Colón

Dinge, die ich gern noch gemacht hätte

Eine Vielzahl weiterer Aktivitäten für Havanna findest du hier*. Viel Spaß!

Dazu noch mein Extra-Tipp wie immer: Schau dich um, beobachte, frage, lache und mach es einfach!

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