Hamburg erleben ohne Wasser geht nicht. Schließlich hat die Hansestadt im Norden Deutschlands deutlich mehr Brücken als Venedig (Hamburg 2.496 : Venedig 398). Aber auch abseits des Wassers hat die Perle an Elbe und Alster so einiges zu bieten. Als Insider sozusagen möchte ich eine Lanze für Urlaub im eigenen Land brechen und Hamburg ist auf jeden Fall eine Reise wert. Ist eine Woche zu viel? Nein! Ist ein Jahr zu wenig? Ja!

Die quirlige Innenstadt der Beinahe-Zwei-Millionen-Metropole begrüßt mich wieder einmal mit strahlend blauem Himmel. Auch dem blindesten Besucher muss auffallen, dass man praktisch überall neben irgendeinem Gewässer steht. Das strahlt Ruhe aus und macht die Menschen hier entspannt. Ich atme tief ein und genieße den traumhaften Ausblick auf die Silhouette der Stadt über die Alster. Anders als andere Städte protzt Hamburg nicht mit seinem Reichtum. Allerdings spürst du ihn auf Schritt und Tritt. Die riesigen Grundstücke mit ihren Herrenhäusern und Elbblick in Blankenese, die eleganten Jugendstilfassaden in Eppendorf, die breiten Alleen, das viele Grün, aber auch die enormen und für Normalverdienende unbezahlbaren Villen an den Seen und Armen der Alster, selbstverständlich mit Zugang zum Wasser, lassen erahnen, wie gut es ihren Bewohnern geht.

Der nach Rotterdam und Antwerpen drittgrößte Hafen Europas hat seit mehr als 830 Jahren einen guten Teil zum Wohlstand beigetragen. Aber in Hamburg erleben die Besucher auch die andere Seite. Gleichermaßen ehrlich und sympathisch, aber einfacher und urwüchsiger geht es in manchen Stadtvierteln, wie Sankt Pauli oder dem Schanzenviertel* zu. Eine Vielzahl Bars und Restaurants, viel Multikulti und Kunst ziehen jeden Besucher in seinen Bann.

Hamburg erleben bei Nacht

Die Nacht kennt kein Ende

Weiterhin findest du natürlich das weltberühmte Rotlichtviertel Sankt Pauli, das tatsächlich niemals schläft. Folglich stolpere ich im Sonnenaufgang aus einem der zahlreichen Clubs auf der Großen Freiheit, um dann gleich in einer Bar nebenan auf der Reeperbahn wieder dem Sonnenlicht zu entfliehen. Schlafen? Morgen irgendwann. Die Zahl der nächtlichen Angebote ist selbst für eingefleischte Hamburger Nachteulen kaum zu überschauen. Denn gerade in Sankt Pauli gibt es unzählige Bars mit Live-Musik, coole Clubs, stinkige Bierkneipen und natürlich Prostitution alle drei Meter. In der Herbertstraße sitzen die Damen in ihren Schaufenstern und warten auf Freier. Deswegen ist der Zugang für Frauen und Kinder in diese Straße komplett verboten. Für manche Nightlife-Location geht ohne das richtige Outfit, genügend Geld und (beinahe das Wichtigste) den richtigen Kontakt, gar nichts, also wirklich gar nichts! Weil drinnen lokale, europäische oder auch internationale Stars und Sternchen auf ihre Weise feiern möchten.

Nicht immer legal

Es geht aber noch krasser: Beispielsweise hochprofessionell organisierte, aber geheime, weil illegale Partys, von denen selbst der engste Kreis der Eingeweihten erst eine Stunde vorher die Location per WhatsApp gesendet bekommt.

Also fahre ich kurz vor Mitternacht durch das Dunkel Altonas und suche irgendeinen, nur durch eine an einer Hauswand befestigte Laterne kenntlich gemachten, Block-Eingang. Mir gelingt es tatsächlich, in der Nähe zu parken und wie vom Geheimdienst verfolgt, schleiche ich mich möglichst lautlos zu einem Kellereingang an einem Hinterhaus. Weil auch hier hängt eine wie in der Nachricht beschriebene Laterne und ich kann aus der Ferne ein paar Schatten erkennen. Wie jeder andere auch, bezahle ich stumm bei der lächelnden Blondine einen (horrenden) Eintrittspreis, um mich an den beiden Security-Hünen vorbei zu schieben. Obwohl auch noch ein paar andere Gäste am Eingang das gleiche tun, ist es mucksmäuschenstill. Erst als wir uns im Treppenhaus auf der viel zu engen Wendeltreppe schon ein paar Etagen nach unten gekämpft haben und der wummernde Bass hörbar wird, entspannt sich die Anspannung und weicht gickerndem Geplapper der stöckelbeschuhten Mädels.

Schließlich sind wir ja alle irgendwie gekickt, weil wir halt illegal hier in einem riesigen ehemaligen Eiskeller, fünf Stock (!!!) unter der Erde mit sechs Meter hohen Decken, zwei Bars, Markenwerbung, aufwändiger Licht- und Soundtechnik und ohne Notausgang mit 500 anderen Eingeweihten und internationalen Top-DJs am feiern sind. Ein einziges Mal wird diese Party hier sein, ein anderes Mal auf einem Schrottplatz oder in einer abrissreifen Fabrikhalle. Mach dir nicht zu viele Illusionen, dass du je rechtzeitig von so einer Party erfahren wirst. Dennoch hat Hamburg auch legal jede Menge zu bieten. Beispielsweise gibt es Nachtführungen durch das Rotlichtviertel Sankt Pauli*, die einen prima Eindruck vermitteln und verhindern, dass du in Abzockerläden gerätst, denn die gibt es hier auch (s.u.).

Hamburg erleben am Tag danach

Falls du am Sonntagmorgen noch halbwegs fit bist oder Samstag Nacht gar nicht weg warst, dann ist ein Besuch auf dem Fischmarkt* unbedingt zu empfehlen. Wenn du von der Nacht geschlaucht bist, könnten dir vielleicht ein Fischbrötchen und ein Kaffee wieder auf die Beine helfen. Andernfalls über Fisch, Wurst oder große Zimmerpalmen bekommst du hier alles noch bevor die Sonne überhaupt ihre Augen aufschlägt. Obwohl es noch so langweilig klingen mag und ernsthaft 5:00 Uhr morgens überhaupt in Erwägung zu ziehen, auch durchaus eine gewisse Überwindung kostet: Du musst einfach mindestens einmal auf dem Fischmarkt gewesen sein. Ohnehin wirst du wiederkommen. Übrigens gibt es für kleines Geld eine wunderbare, geführte Komplett-Tour*.

Hamburg erleben bei schönem Wetter

Wenngleich eine Entdeckungstour auch bei Nieselregen und erfrischendem Wind möglich ist, Hamburg erleben musst du bei schönem Wetter! Erst im Licht der Sonne kommt die Schönheit dieser Stadt richtig zur Geltung. Gestern waren wir im Stadtpark grillen. Heute habe ich mich einer Fahrradtour angeschlossen* und wir radeln durch die Straßen, vorbei an den vielen wunderbaren Gebäude-Ensembles, die bei jedem einen bleibenden Eindruck hinterlassen, besuchen den Innenhof des imposanten Rathauses und machen eine Kaffee-Pause an der Elbphilharmonie. Wenn du keine Lust auf's Fahrrad hast, dann kannst du auf einer Führung durch die Speicherstadt, die moderne HafenCity und die Elbphilharmonie* viel Wissenswertes erfahren.

Von der Elbphilharmonie schweift der Blick die Elbe entlang Richtung Landungsbrücken. Von dort starten die Hafenrundfahrten*, auch ein Muss hier. Genauso spannend wie am Tag oder vielleicht noch besser, ist eine Lichterfahrt* wenn es dunkel wird und Hamburg seine Millionen Lichter anknipst. Das Hafentreiben hört auch nachts nicht auf und dieses und noch viel mehr vom Boot aus zu beobachten ist einfach unglaublich*.

Eine der beliebtesten Outdoor-Aktivitäten der Hamburger ist ein Ausflug durch die Stadt auf dem Wasser, am besten im Tretboot auf der Alster. Unter romantischen Brücken, an prachtvollen Villen vorbei, an einer Uferbar anlegen oder sich in kleinen Kanälen verirrend: eine solche Tour bei schönem Wetter ist nicht zu überbieten. Nimm dir ein Picknick und eine Flasche Wein mit und genieße die Schönheit der Umgebung, die vielen verschiedenen Wasservögel und die Ruhe. Wenn du nicht selbst treten oder rudern möchtest, kannst du auch in einem der flachen Alsterboote eine Tour mitfahren*.

Noch ein paar Tipps für bedeckte Tage

Shopping und Relax

Leider ist das Wetter nicht immer ideal. Allerdings hast du in Hamburg vielfältige Möglichkeiten für Indoor-Aktivitäten. Mit der S- und U-Bahn oder dem Stadtbus kommst du praktisch in jeden Winkel. In Hamburgs Innenstadt gibt es mehrere komplett überdachte Einkaufsstraßen. Wenn du statt shoppen lieber entspannen oder auf Entdeckungstour gehen möchtest, dann habe ich noch ein paar Ideen für dich. Einen super Relax-Tag kannst du im Arriba Erlebnisbad mit ausgedehntem Saunabereich verleben. Das Arriba befindet sich zwar nicht direkt in Hamburg, aber mit der U1 und einem Stadtbus kommst du ganz einfach zum Indoor-Freizeitbad nach Norderstedt.

Gruseln und Staunen

Ebenfalls für bedeckte Tage gibt es in der Speicherstadt zwei Attraktionen, die sehr zu empfehlen sind. Erstens das Hamburg Dungeon*. Hier kannst du das mittelalterliche Hamburg erleben. Brände, Pest und mittelalterliche Katastrophen werden in authentischem Ambiente professionell und mit vielen Überraschungsmomenten dargeboten, Erschrecken und offene Münder inklusive. Ich war schon ein paar Mal drin und es ist immer wieder spannend.

Zweitens findet sich hier in einem alten Speichergebäude die größte Modelleisenbahnanlage der Welt*. Wenn du denkst, dass hier nur ein paar Züge im Kreis fahren, dann täuschst du dich gewaltig. Unglaubliche Landschaften wurden hier nachgebaut, Autos fahren wie von den Minimännchen gesteuert durch die Straßen (nein, sie fahren nicht in Schienen!), vom Hamburger Flughafen heben schwere Verkehrsmaschinen in Richtung Urlaub ab und im Kornfeld treibt es ein Pärchen. Obgleich die gewaltigen Abmessungen der Anlagen schon meine Kinnlade herunterklappen lassen, die Detailverliebtheit der Macher ist unübertroffen. Auf praktisch jedem Quadratdezimeter ist irgendetwas Einmaliges zu entdecken.

Folglich wirst du, wie ich, mit einem Besuch nicht auskommen, um wirklich alles zu erfassen. Weil die Beliebtheit Massen an Besuchern aus aller Welt anzieht, sind lange Wartezeiten fast an der Tagesordnung. Ich habe schon erlebt, dass kostenlos Getränke an uns Wartende ausgeschenkt wurden, um das ewige Sich-die-Beine-in-den-Bauch-Stehen erträglicher zu machen. Allerdings musst du dir das nicht antun und kannst an der Schlange direkt vorbei gehen. Beispielsweise findest du entsprechende Tickets mit bevorzugtem Einlass für das Miniaturwunderland hier.* Ich habe mittlerweile eine Jahreskarte. 😉

Vorsicht Falle!

Wenn du unterwegs bist, hüte dich vor deinem „Preisgefühl“. Wenn vor der Bar ein „Schreier“ steht, der Bier für einen Euro bewirbt, dann bestelle dieses Bier für einen Euro. Magst du lieber ein Wasser oder einen O-Saft, dann denk nicht, dass wenn ein Bier einen Euro kostet, der Saft vielleicht so 3 Euro und das Wasser 2 Euro kosten wird. Schau in die Karte! Ansonsten ist es möglich, dass dich die Rechnung unangenehm überrascht. Weil auf dieser dann vielleicht 36€ pro Säftchen berechnet werden. Da die Karte auf dem Tisch lag, ist jeder Widerspruch zwecklos.

Wenn du nachts im Rotlicht-Milieu unterwegs bist, dann besprich den Preis vorher und zahle in bar! Gib niemals deine Kreditkarte aus der Hand! Ansonsten sind in Hamburg keine bösen Überraschungen zu erwarten, wenn du normale Aufmerksamkeit walten lässt und freundlich durch's Leben gehst.

Fazit

Was du alles in Hamburg erleben kannst, das wird im Prinzip nur durch die Zeit beschränkt, die du zur Verfügung hast. Ein Wochenende ist viel zu wenig, außer du kommst wegen eines Junggesellenabschieds*. Eine Woche? Schon besser, zumindest wirst du einen Überblick bekommen. Durch die gute Erreichbarkeit kannst du ja jederzeit wiederkommen. Um dich nicht zu verlieren, empfehle ich, dich Ortskundigen anzuschließen oder entsprechende Touren vorab zu buchen. Was du mitnehmen wirst, wenn du auf dem Heimweg bist, ist das Glücksgefühl in dieser wunderbaren und eleganten Stadt gewesen zu sein und der ununterdrückbare Wunsch, so schnell wie möglich wieder an die Perle zwischen Elbe und Alster zurückzukehren.

Landessprache ist Deutsch und man spricht auch englisch und mitunter spanisch.

Ab Frankfurt fliegt man direkt in einer Stunde bis Hamburg. Die Bahn braucht knapp vier Stunden.

Die Zeitzone ist, wie überall in Deutschland, UTC+1, also 15:00 Uhr ist auch in Hamburg 15:00 Uhr 😉

Meine Top 5 für Hamburg sind

  1. Rotlichtviertel Hamburgs: die ultimative Sex-, Drugs-, und Fischbrötchen-Tour*
  2. Fahrradtour durch die Hansestadt*
  3. Frühmorgendlicher Fischmarktbesuch*
  4. Bevorzugter Einlass ins Miniaturwunderland, größte Modelleisenbahnanlage der Welt*
  5. Hamburg Dungeon die spannende, finstere Geschichte der Hansestadt*

Dinge, die ich gern noch empfehlen möchte

Eine Vielzahl weiterer Aktivitäten für Hamburg findest du hier.* Viel Spaß!

Dazu noch mein Extra-Tipp wie immer: Schau dich um, beobachte, frage, lache und mach es einfach!

Zimmer im The Westin Hamburg Elbphilharmonie

Unser Tipp für das exklusive neue Hotel:

The Westin Hamburg Elbphilharmonie
Lifestyle Hotel mit spektakulärem Blick
auf die Elbe oder die Skyline von Hamburg,
fantastischem Spa-Bereich mit 20 Meter Indoor-Pool.

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