Glücklicherweise gibt es McDonald's! Der Retter in der Not der kulinarischen Verzweiflung ist, außer auf dem offenen Meer, praktisch überall präsent. Er kann mit einem Doppel-Cheeseburger und Pommes dem verkrampften Magen jederzeit aushelfen. Warum ich dieser Versuchung des bequemen und sicheren Weges trotze, ist ganz einfach. Weil es halt nur der bequeme und sichere Weg ist. Und eines ist klar, der Hauptgrund, sicher nicht nur für mich, sich auf unserer schönen Erde zu bewegen, ist halt die Freude am Neuen. Und dazu gehört ohne Zweifel das Essen und das Trinken. Glücklicherweise ist mein Verdauungstrakt so unempfindlich, dass ich selbst Steine essen könnte, ohne Allergien oder Unverträglichkeiten. Manchmal schäme ich mich fast dabei, wenn meine Bekannten über Laktoseintoleranzen, Gluten- und Nussallergie, Alkoholabstinenz, Veganismus und Könerfresserei diskutieren. Und ich kann/möchte nicht mitreden, schluchz!

Essen bestellen, aber wie?

Wer, wie ich, nicht All-Inclusive unterwegs ist, dem sei auch dringend geraten, all diese Spezialbedürfnisse zu vergessen. Wer sich aus der bequemen und gutsortierten zivilisierten Welt heraus begibt, der sollte eine gewissene Offenheit gern mitbringen. In einem kleinen ungarischen Dorf in der Pampa vermag selbst umfangreiche Fremdsprachenkenntnis nicht weiter zu helfen. Im winzigen, wohnzimmerartigen Hinterstübchen, was der Dorfgasthof sein soll, ist es schlicht aussichtslos, zu versuchen, dem gebückten Mütterchen, das gleichzeitig CEO, Manager, PR-Direktorin, Schichtleiter, Köchin und Kellnerin ist, die Zutaten des Tagesgerichts zu entlocken oder zumindest zu erraten, ob es sich um Fleisch, Fisch oder Kuchen handeln möge. Schlussendlich nimmt sie uns mit in die Küche und zeigt uns drei große Töpfe. In diesen blubbern drei Suppen, die allesamt wie Erbrochenes aussehen, allerdings in verschiedenen Farben. Der Hunger, unser Urvertrauen und die zwei finster dreinblickenden Arbeiter -die aber immerhin noch nicht verstorben sind- geben letztlich den Impuls, je eine der drei Suppen per Gestik zu bestellen. Ich bin kein Suppenfan. Aber auch unabhängig davon muss ich zugeben, dass ich nie im Leben so etwas von der Speisekarte bestellt hätte. Als das heiß dampfende Etwas dann vor uns stand, kostete der erste Löffel in der Tat Überwindung. Glücklicherweise gab es Brot dazu, war unser aller Gedanke. Aber wie so oft im Leben wurden wir auch dieses Mal äußerst positiv überrascht. Alle drei Suppen waren unglaublich lecker.

Probieren ohne Vorurteil

Im Laufe der Zeit habe ich mich immer wieder dabei ertappt, dass ich auf einer Speisekarte das suche, was mir schmeckt, also vorrangig Steak. Ja, ich musste mich dazu zwingen, und mittlerweile ist es eine Gewohnheit geworden, eben gerade dieses nicht zu tun. Seit Jahren frage ich immer Einheimische, was es denn für traditionelle Gerichte gibt, die man essen müsse. Und die bestelle ich auch immer ganz brav. Sonst hätte ich niemals in Kiew eine Rote-Beete-Suppe mit Rindfleisch bestellt, die noch mit einem Schälchen Sauerrahm, Grünzeugs, Brot und Speck daher kommt. Ich musste erst einmal fragen, ob man das Zeug einzeln isst, alles vermischt oder es aufs dazugereichte Brot gestrichen wird. Tja, der berühmte борщ (also Borschtsch).

Auch in Südafrika wäre mir wohl nie eingefallen, Maismehlpampe als Beilage zu wählen. Die allerdings trägt zumindest den treffenden Namen Milipapp, der schon erahnen lässt, um was es sich handelt. In machen Ländern ist die typische Küche etwas einseitig. Fish and Chips kann man zwar einmal essen, aber jeden Tag? Ein guter Ausweg in solchen Situationen sind exotische Restaurants, wie zum Beispiel ein Libanese, Inder, Grieche, usw. Ich freue mich über neue Dinge. Egal ob merkwürdige Essen, von denen man nicht einmal weiß, was es sein mag, Fischgerichte, Krokodil, Straußenei oder -Fleisch, frittierte Bananen, gekochte und pürierte Wurzeln, Känguru, Antilope, Schnecken oder gebackenes Obst, solange es keine frittierten Vogelspinnen sind, lasse ich mich gern verführen.

Vorsicht ist geboten!

Das vorher geschriebene gilt in erster Linie für in-house-serving. Nun ist aber eben nicht alles in fremden Landen so gut kontrolliert, wie wir es aus Mitteleuropa gewöhnt sind. Unbekannte Gefahren lauern doch überall. So ist z.B. in ärmeren Ländern der Genuss von Salaten oder generell rohem Gemüse eher nicht zu empfehlen. Zu viele Parasiten leben auf diesen. Die Hygiene verlangt zwar, dass sie mit Chlorwasser gewaschen und dann mit Flaschenwasser gespült werden, aber … Stell dir eine schmuddelige Bretterbude am staubigen Straßenrand vor! Der barfüßige Eingeborene, dessen Hände auch bestimmt irgendwann in seinem Leben schon einmal einen Wassertropfen gesehen haben, griffelt, die Hunde beiseite scheuchend, ein paar Tomaten vom Boden und schneidet diese mit dem Messer, mit dem er gerade noch dem Federvieh die Augen herausgepopelt hat, in Scheiben. Das sieht zwar auf dem Teller lecker aus, aber nun ja. Du verstehst schon. Generell gilt der altbekannte Satz: Cook it, peel it or forget it. Alles, was frisch gekocht ist, kannst du essen, Eine Frucht, die man schälen kann, kannst du essen. (Ein bisschen aufpassen, dass die Schale nicht das Fruchtfleisch berührt!) Aber alles andere lass lieber bleiben, wenn du nicht ganz sicher bist. Ich habe schon in einigen Fällen Freunde ein paar Tage im Minutentakt zwischen Bett und Toilette pendeln und schließlich, nach einer saftigen Arztrechnung (umgerechnet 320€), im Hotelzimmer oder im örtlichen Krankenhaus am Tropf hängen sehen. Naja, seit Corona haben wir ja eh alle ein kleines Alkoholfläschchen dabei. Das kann man im Zweifel gerne nutzen.

Immer wieder Alkohol!

Apropos Alkohol: In den meisten Ländern gehört der Genuss von  Alkohol in all seinen Varianten zur gesellschaftlichen Kultur. Gut wer nicht abstinent lebt und die lokalen Cocktailerfindungen, eiskalt oder knallheiß servierte Schnäpse oder landestypische Weine vor Ort genießen kann! In einer eisig kalten Augustnacht in den Karpaten wird ein Sto-Gramm-Vodka (also ein auf 100ml erweiterter Shot) dann zum Lebensretter. Auch wenn er aus einem seit Herstellung nicht mehr abgewaschenen Saftglas kredenzt wird, wegen der 40% wenigstens ohne Bakterien. Aber wie schon gesagt, man darf halt nicht so empfindlich sein. Andere Länder, andere Sitten. Dass es, sozusagen als Grundversorgung, im Burgenland (Österreich) sogar in einigen Bankfilialen Automaten gibt, aus denen man Wein ziehen kann, sei hier nur nebenbei erwähnt und keineswegs kritisch, sondern vielmehr als Anregung angemerkt.

Etikettenschwindel

Vielleicht liest ja auch du die Etiketten. Ich tue es, aber im Ausland ist das oft einfach sinnlos, weil sie in fremder Sprache gedruckt sind oder diese schlicht lügen. Wer am Strand von Punta Cana das Bier „Cañita“ bestellt und sich über den leicht erfrischenden Zitrusgeschmack freut, der stirbt bestimmt nicht nach einem oder zwei dieser Getränke. Auf dem Etikett als einzige Zutaten Wasser Hefe, Malz und Hopfen lesend – und dass „Cañita – das Bier von Punta Cana“ in Südkorea hergestellt und abgefüllt wird, habe zumindest ich mich gefragt, ob sie denn Zitruswasser oder Zitrushefe bei der Herstellung verwendet haben… Für mich klingt das nach einer sehr cleveren Marketingkampagne mit einem superbillig zusammengemischten Kram. Der mag alles sein, aber kein Bier. Und ist so günstig, dass sich auch noch die halbe Weltumseglung und die 42% Einfuhrzoll und -Steuern in der DomRep lohnen. Aber es kann ja jeder für sich selbst entscheiden.

Auch bei den Getränken kann ich generell empfehlen, das zu probieren, was die Einheimischen trinken. So manch positive Überraschung hält die Welt bereit. Leckere Tees im Orient oder der „Baraquito“ (in manchen Gegenden auch „Zaperoco“), ein lecker aufgepeppter Mokka, der allerdings süchtig macht. Selbst zuhause bereite ich mir den gern einmal zu. Und ja, er gelingt mir auch schon mit der gewünschten Schichtung aus dicker Kondensmilch, Likör 43, Mokka, geschäumter Milch und dem Häubchen, dekoriert mit Limettenschale und Zimt.

Fallen im Ausland vermeiden

Wie häufig im Nicht-Euro-Ausland ist die Beschaffung von lokalem Bargeld erforderlich, denn ein paar Scheinchen für Leckereien sollte man schon dabei haben. Wenn schon das Abheben an sich kein Problem ist, weil überall Geldautomaten stehen, lauert die Falle eher unsichtbar. Umtauschkurs und versteckte Gebühren können erheblich weh tun. Gut, wenn du eine Kreditkarte dabei hast, die keine Gebühren für das Abheben von Bargeld berechnet und den Google-Kurs für den Umtausch ohne Gebühren zu Grunde legt. Falls du noch keine hast, hier ist eine Empfehlung für eine komplett kostenlose Mastercard Gold, die das alles kann.*

Mein Tipp wie immer

Schau dich um, beobachte, frage, lache und probiere!

Und falls du wirklich einmal komplett verzweifelt bist, es gibt ja noch Mc'Donalds. 😉

SCHREIBE EINEN KOMMENTAR

Etwas länger sollte der Kommentar schon sein ;-)
Name